Pressemitteilung 28. Nov. 2017:

Mehr Bio in Kitas ist möglich! – Abschlussveranstaltung des Pilotprojekts „Mehr Bio in Bremer Kitas“

Bei einem finanziellen Mehraufwand von nur 10 bis 15 Prozent ist es grundsätzlich möglich, die Mahlzeiten in Bremer Kitas ausschließlich mit Bio-Lebensmittel herzustellen. Das ist das Ergebnis eines zehnmonatigen Pilotprojekts des Vereins SozialÖkologie, das zum Ziel hatte herauszufinden, wie viel teurer eine Umstellung der Ernährung auf 100 Prozent Bio ist. Von Januar bis Oktober 2017 brachten drei Bremer Kitas in Neustadt, Horn-Lehe und Vegesack für ihre 370 Kinder nur Bio-Lebensmittel auf den Tisch. „Zu Beginn hatten alle Kitas die Sorge, dass die Kosten für das Bioessen zu hoch wären“, so Lea Unterholzner, die Koordinatorin des Projekts „Mehr Bio in Bremer Kitas“ vom Verein SozialÖkologie. „Doch am Ende waren alle überrascht, dass die Mehrkosten in der Spanne zwischen elf und 23 Cent in einem überschaubaren Rahmen blieben“. Der Verein hatte vor Beginn des Projekts Sponsoren wie z. B. die HKK-Bremen, die PSD-Bank und die Bremische Kinder- und Jugendstiftung gewonnen, welche mögliche Mehrkosten für den Bioeinkauf übernehmen würden.

Bei der Abschlussveranstaltung des Projekts in der Markthalle 8 mit Umweltsenator Joachim Lohse präsentierten die Projektleiterin Monika Baalmann und die Projektkoordinatorin Lea Unterholzner die wichtigsten Bausteine des Modellversuchs. So wurden im Rahmen des Projekts die Kitas beraten, wie z. B. durch Bezug von Bio-Lebensmitteln direkt beim Erzeuger, oder der Bestellung größerer Gebinde beim regionalen Bio-Großhandel, günstiger eingekauft werden kann. In Workshops für das Küchenpersonal wurde durch Experten vermittelt, wie durch saisonalen und regionalen Einkauf frischer Lebensmittel Kostenersparnisse möglich sind. Gemeinsame Besuche von Kindern, Pädagogen und den Küchenmitarbeiterinnen auf Bio-Betrieben in der Bremer Region hatten zum Ziel, die Vorteile des ökologischen Landbaus für die Umwelt und das Tierwohl kennenzulernen und eine höhere Wertschätzung für ökologisch produzierte Lebensmittel zu fördern.

Die Pilotküchen sind durch die Workshops und Hofbesuche in ihrer Motivation gestärkt: Zwei der drei Kitas werden wohl weiterhin bei 100 Prozent Bio bleiben und können das im Rahmen ihrer Budgets finanzieren. Eine Kita will diese Marke soweit wie möglich halten, aber zum Teil Kompromisse machen und einzelne Produkte wieder in konventioneller Qualität einkaufen. Der Verein SozialÖkologie plant für das nächste Jahr ein neues Kita-Projekt, um auch die öffentlichen Kitas zu einem höheren Bio-Einsatz zu motivieren, die bisher nicht eingebunden waren.

Diskutiert wurde bei der Veranstaltung auch über einen Aktionsplan zur Ökologisierung der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung, der laut Beschluss der Bürgerschaft vom vergangenen Jahr bis September 2017 Bürgerschaft und Senat vorgelegt werden sollte. Er geht auf den Bürgerantrag des Agrarpolitischen Bündnisses Bremen „Kein Billigfleisch in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung“ zurück und soll noch in diesem Jahr vom Senat beschlossen werden. Das Pilotprojekt ist nach Auffassung von Monika Baalmann und Lea Unterholzner vom Verein SozialÖkologie ein eindeutiger Nachweis für die Realisierbarkeit einer Ernährungswende in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung.

Die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung hatten nach der Ergebnispräsentation noch die Gelegenheit sich davon zu überzeugen, wie gut Bio-Lebensmittel schmecken können. Spitzenköchin Barbara Stadler, bekannt durch die „Herdbesuche“ bei buten un binnen, servierte ein köstliches Bio-Menü mit besten Zutaten aus der Region.

Pilotprojekt mit drei Bremer KiTas zur Umstellung auf 100% ökologische Lebensmittel

Ab dem 1.1.2017 werden 3 Bremer KiTas ausschließlich mit Biolebensmitteln versorgt. Über die Ziele und die Umsetzung des Projektes und Ihre Möglichkeiten, von dem Projekt zu profitieren oder es zu unterstützen erfahren Sie im weiteren Verlauf.

Ziele des Projektes

Das Projekt  hat verschiedene Ebenen. Zum einen möchte es Klarheit schaffen in der Kostenfrage. Am Ende des Projektes lassen sich die Fragen beantworten:Wie hoch sind die durchschnittlichen Mehrkosten bei 100% Bio-Anteil in der Hansestadt? Und daraus ableitend:

Wie viel Bio ist in Bremer KiTas möglich und bezahlbar? Und wo sind die Stellschrauben, die den Einsatz von Ökolebensmitteln erleichtern.

Mit dem Einsatz von Ökolebensmitteln in KiTas ist auch ein Bildungsanspruchverbunden, der sich an die Mitarbeiter*innen der KiTas, die Kinder und wenn möglich an die Eltern richtet. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Sensibilisierung für Ernährung, für die Entstehung von Lebensmitteln und für Regionalität, Saisonalität und Ökologie.

Das dritte Ziel ist die Unterstützung der regionalen Erzeuger*innen von ökologischen Lebensmitteln. Ökologisch produzierende Landwirt*innen wirtschaften nah an der Natur und halten die Nutztiere möglichst artgerecht. Sie generieren gesellschaftliche Leistungen durch Klima- und Umweltschutz. Das Projekt eröffnet den Erzeuger*innen durch den Schwerpunkt auf regionale Produkte neue Absatzwege und stärken damit ihre Existenz.

Bausteine

100% Biolebensmittel in 3 KiTas

Ab dem 1.1.2017 werden in den Küchen der 3 KiTas ausschließlich ökologische Lebensmittel zum Einsatz kommen. Ca. 350 Kindergarten- und Krippenkinder werden von den 3 Küchen versorgt. Die KiTas liegen in drei verschiedenen Stadtteilen, Neustadt, Horn-Lehe und Vegesack. Damit bekommen Kinder aus gänzlich unterschiedlichen sozialen Hintergründen die Möglichkeit, an dem Projekt teilzunehmen.

Workshops

Um dem Bildungsanspruch gerecht zu werden, bietet das Projekt den KiTa-Mitarbeiter*innen, Kindern und Eltern Gelegenheit, sich mit den Themen „Ernährung“, „Biolebensmitteln“, „Bauernhof“, „Essenskultur“ auseinanderzusetzen.

Seit Oktober 2016 finden in Vorbereitung auf die Umsetzungsphase Workshops statt, die den KiTas das KnowHow vermitteln.

o   Workshop „Bio kann jeder“, der in Kooperation mit dem Umweltzentrum Hannover durchgeführt wurde.

o   Workshop „Logistik und Beschaffung von Bio-Lebensmitteln“ (beim Naturkostkontor Bremen).

o   Praxis-Workshop: Neue Ideen für die vegetarische Bio-Küche in der KiTa (Herbst/Winter) inkl. Austauschrunde zum Projektverlauf

o   Praxis-Workshop: Neue Ideen für die vegetarische Bio-Küche in der KiTa (Frühjahr/Sommer) inkl. Austauschrunde zum Projektverlauf

Die Workshops sind offen für alle interessierten KiTamitarbeiter*innenn!Die Termine finden Sie unter der Rubrik „Veranstaltungen“.Wenn Sie Interesse haben melden Sie sich bei uns, damit wir Sie in den Verteiler aufnehmen können. (INFO(AT)VEREIN-SOZIALOEKOLOGIE.DE)

Bauernhofbesuche und Aktivitäten in den KiTas

Darüber hinaus bietet das Projekt allen KiTamitarbeiter*innen die Gelegenheit, einen Teamausflug auf den Bauernhof zu unternehmen und selbst zu erfahren, was sie den Kindern vermitteln.

Auch für Kindergruppen werden bei Interesse Bauernhofbesuche mit eigenem Erleben, z.B. melken oder Butterschütteln, angeboten.

Das Projekt sieht außerdem vor, sich in den KiTas einzubringen. Je nach Interessenslage kann gemeinsam mit den Kindern z.B. ein Hochbeet oder eine Kräuterspirale entstehen, oder um die Eltern einzubinden gemeinsam mit Eltern und Kindern das Buffett für das Sommerfest bestückt werden.

Biopaten

Damit die anfallenden Mehrkosten für Ökolebensmittel in der Pilotphase nicht von den KiTas oder den Eltern getragen werden müssen, werden Biopaten gesucht, die sich mit einem Betrag ab 100 € an dem Projekt beteiligen. Die Biopaten sind vorwiegend Wirtschaftsunternehmen, die z.B. einem Kindergarten nahestehen, die im Stadtteil wirken oder sich für Biolebensmittel einsetzten wollen. Natürlich können auch Vereine/Verbände oder Einzelpersonen als Paten das Projekt unterstützen.

Wenn Sie darüber mehr wissen wollen, finden Sie hier den AUFRUF ZUR BIO-PATENSCHAFT!

Die KiTas bekommen nach der Abrechnung bis zu 50 ct / Kind/Tag erstattet.

Unsere Bio-Paten sind Privatpersonen und:

Einbettung/Entstehung/Finanzierung

Das Projekt ist Teil der 2015 ins Leben gerufene und beim Bremer Umweltsenat angesiedelten Projektes BioStadt Bremen. Dessen Ziel ist es, ökologische und regionale Produkte vermehrt in der Hansestadt zum Einsatz zu bringen. Gemeinsam mit verschiedenen Akteuren der Bremer Bio Szene wurde das Projekt „Mehr Bio in Bremer KiTas“ auf den Weg gebracht.

Finanziert wird das Projekt von der Biostadt Bremen, der Hanse Krankenkasse hkk, der Bingo-Lottostiftung und dem Stadteigenen Betrieb KiTa Bremen.

Das Projekt „Mehr Bio in Bremer Kitas“ ist angelehnt an ein Projekt aus München „Bio für Kinder“, das dort seit 10 Jahren erfolgreich umgesetzt wird. Informationen darüber finden Sie unter WWW.BIOFUERKINDER.DE.

Bericht über Abschlußveranstaltung: TAZ 28. Nov. 17 – Bio-Essen zum Tiefpreis

 

Bericht auf Radio Bremen am 24. Nov. 2017 entstanden und auf dem Internetportal Oekolandbau.de

Pressekonferenz am 31. Jan. 2017 mit öffentl. Vorstellung des Projektes

Presseberichterstattung hierüber:

taz 1. Feb. 2017 MODELLVERSUCH IN BREMER KITAS – NUR EIN BISSCHEN TEURER

Pressemitteilung 31. Jan. 17
100% Bio in Bremer KiTas!
Startschuss für ein Pilotprojekt mit drei Bremer KiTas – 100% Bio zehn Monate lang
Bremen ist nicht nur mit über 15% Flächenanteil im Ökolandbau bundesweit ganz vorn (an zweiter Stelle), auch in der öffentlichen Gemein­schafts­verpflegung will Bremen zukünftig immer mehr Bio-Lebensmittel aus der umwelt­freundlichen Öko-Landwirtschaft einsetzen. So beschloss die städtische Bürgerschaft bereits im September, dass tierisch erzeugte Produkte bis zum Jahr 2022 ausschließlich nach den gesetzlichen Kriterien des Öko-Landbaus erzeugt werden dürfen. Mit einem im Januar gestarteten Pilotprojekt geht der Verein SozialÖkologie, Förderverein für den Öko-Landbau in der Bremer Region, jetzt noch einen Schritt weiter. Zehn Monate lang werden in 3 Bremer KiTas die Kinder mit 100 % Biolebensmitteln versorgt. Die Bio-Mehrkosten übernehmen in dieser Zeit Sponsoren wie z. B. die HKK-Bremen, die PSD-Bank, die Bremische Kinder- und Jugend­stiftung, Bio-Unternehmen und viele private Unterstützer, ohne deren Unter­stützung das Projekt nicht hätte stattfinden können.
In Gartelmann’s Gasthof im Blockland, dem Teil Bremens mit den meisten Bio-Landwirten, fand heute die Auftaktver­anstaltung mit Senator Dr. Joachim Lohse, den Mitarbeitern von KiTa-Bremen und den Sponsoren statt. Nach einem Hofrundgang über den Bio-Milchviehbetrieb von Phillip Gartelmann, dem Bruder des Gastwirts, erläuterten die Projektleiterinen Lea Unterholzner und Monika Baalmann die Ziele und Inhalte des Projekts: „Es soll in der zehnmonatigen Durchführungsphase ermittelt werden, wie hoch die durchschnittlichen Mehrkosten bei 100% Bio-Anteil sind, um schließlich die Frage zu beantworten, wie viel teurer Bio wirklich ist und wie viel Bio bezahlbar ist
„Wir freuen uns sehr, dass KiTa-Bremen das Pilotprojekt von Anfang an engagiert unterstützt hat und drei KiTas aus Horn, der Neustadt und Vegesack sich bereit erklärt haben, trotz angespannter Personallage sich an dem Projekt zu beteiligen“, so Monika Baalmann vom Verein SozialÖkologie. Senator Dr. Joachim Lohse fand auf der Auftaktveran­staltung ebenso lobende Worte für das Projekt wie Wolfgang Bahlmann, Geschäftsführer von KiTa Bremen, Dr. Wolfgang Ritter von der HKK-Bremen und Jutta Philipson-Eichert, Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Hohentor, die mit ihrer KiTa an dem Projekt beteiligt ist.
Das Projekt leistet nach Überzeugung des Projektträgers einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Sensibilisierung für Ernährung, für die Entstehung von Lebensmitteln und für Regionalität, Saisonalität und Ökologie. Für den Verein SozialÖkologie ist es ein zentraler Baustein zur Realisierung der Ziele des Projekts „BioStadt Bremen“. „Ein sehr wichtiges Ziel ist auch die Unterstützung der regionalen Erzeuger von ökologischen Lebensmitteln. Ökologisch produzierende Landwirte wirtschaften nah an der Natur und halten die Nutztiere möglichst artgerecht. Sie generieren gesellschaftliche Leistungen durch Klima- und Umweltschutz. Das Projekt eröffnet den regionalen Bio-Betrieben neue Absatzwege und stärken damit ihre Existenz“, so die Projektleiterin Lea Unterholzner. Schließlich erhoffen sie sich noch vom Projekt, dass es eine große Strahlkraft entwickelt und immer mehr KiTas in Bremen den Bio-Anteil in der Verpflegung der Kinder erhöhen werden.
Bremen, 31.1.17