Spargel und Erdbeeren vom Feinsten

Da wurden Klaus und ich so richtig belohnt, als wir für den Bla am 24. April nach Martfeld zu Rennig Söffker fuhren, unserem Hauptlieferanten für Spargel und köstliche Erdbeeren: Wir konnten schon eine große Portion Spargel im Hofladen kaufen. Im Bauernladen gab's den ersten Spargel erst eine Woche später. Rennig nahm sich viel Zeit für uns, zeigte uns alle Arbeitsabläufe beim Spargelanbau und -ernten und fuhr mit uns auf die Felder.

Rennig hat 175 ha Land, davon sind je 20 ha für Spargel und Erdbeeren. Ca 900 Tonnen Kartoffeln (Laura und Belana) und 1.000 Tonnen Möhren erntet Rennig. Er liefert Futtergetreide an einen Bio-Hühnerbetrieb und erhält dafür den Mist zum Champignonanbau, daraus wird Champignonsubstrat zum Düngen gewonnen. Wir haben den in der Hand und unter der Nase gehabt – er riecht angenehm würzig und frisch und eignet sich offensichtlich bestens zum Düngen.
Als Städterin hatte ich mir nie klar gemacht, dass die frisch gestochenen Spargelstangen erst mal gewaschen und dann unbedingt gekühlt werden müssen (auf 2 Grad C), um frisch und knackig bei uns anzukommen. Über Nacht werden sie mit einem Grad kaltem Wasser berieselt. Im Hofladen lagen kleine Eisstückchen auf dem Spargel. Zum ersten Mal in meinem Leben bekam ich eine gerade aus der Erde gestochene Spargelstange in die Hand gedrückt – „probier mal!“ - also reingebissen ins rohe Gemüse: lecker!

Interessant auch die computergesteuerte Spargelsortiermaschine (kostet 60. 000 €!) – per Hand wird jeder einzelne Spargel eingelegt und dann automatisch nach Länge und Dicke sortiert für die entsprechenden Handelsklassen. Wenn früher sechs Leute eine Tonne am Tag schafften, macht die Maschine das jetzt in einer Stunde.

Rennig baut alles in Dammkultur an. Das sei sehr gut für den Boden, er werde besser durchwurzelt. Für die Frühjahrsernte gibt es doppelten Fliessschutz, um die Wärme zu halten und das Wachstum zu fördern. Aber das bedeutet bei den Erdbeeren auch: ständig Regenradarnachrichten gucken. Bei 25 Grad C müssen alle Folien schnellstens runter, sonst ist es zu heiß darunter, und bei Starkregen sofort wieder rauf – manchmal zweimal am Tag! 80 Leute schaffen so in einer Stunde, die Erdbeeren zu retten.

Die Folien halten bis zu 10 Jahren, bevor sie entsorgt werden müssen. Mit unterirdischen Schläuchen wird bewässert, da steht Rennig drauf, denn so wird genau und sparsam dosiert und es gibt weniger Schädlinge. Alle zwei Jahre müssen neue Erdbeerpflanzen gesetzt werden. „Die beste Sorte ist die Mieze Schindler“, schwärmt Rennig. Teure Pflanzen und viel Handarbeit – da trifft es hart, wenn letztes Jahr ein Riesenfeld kaputt ging wegen Thripse. Und jetzt eine Mäuseplage! 10% der Pflanzen haben sie aufgefressen – also wurden 2.000 (!) Mausefallen mit Rosinen bestückt. Jeden Tag sammeln vier Leute Mäuse ein – über 1.000 waren es schon!
Rennigs Vater hat den Hof in den 60iger Jahren aus der Familie übernommen. Schon der Ururgroßvater war Landwirt. Auch Rennig hat eine Landwirtschaftsausbildung gemacht und mit 18 Jahren den Hof übernommen, zunächst unterstützt von seinem Onkel. Früher wurden Rüben, Weizen und Gerste angebaut, es gab auch Kühe. „Die Kühe hab ich als Kind noch so gerade gesehen, die hat mein Vater schon abgeschafft“. Rennig stellte 2002 auf Bio und mehr Früchte um, um eine breite Fruchtfolge zu haben – eine kluge und erfolgreiche Entscheidung!

Rennig beschäftigt drei feste Mitarbeiter/ innen und rund 80 Saisonarbeiter/ innen. Einige Polen sind schon seit vielen Jahren immer wieder dabei, neuerdings kommen die meisten Frauen aus Rumänien. Sie pflücken später Erdbeeren. Jetzt wurden die Möhrenfelder per Hand auf einer Liegemaschine gejätet, also Unkraut entfernt, um das dauernde Bücken zu vermeiden. In einer großen modernen Scheune stehen für sie viele beheizbare Leasing - Wohncontainer mit Kühlschränken und Kochmöglichkeit.
Und die Vermarktung? Wir bekommen Spargel und Erdbeeren über die Ökokiste. Wie praktisch: Lothar Klerings wohnt in Martfeld und nimmt alles jeden Tag frisch mit nach Bremen. Außerdem beliefert Rennig verschiedene Großhändler, das Naturkostkontor und Kornkraft. Rennig ist Vorsitzender bei Naturland Niedersachsen. Aber das darf nicht zu viel Zeit wegnehmen. „Ich bin in erster Linie Bauer und nicht Funktionär“. Um all die viele Arbeit gut zu schaffen, hält sich Rennig fit. Er ist früher sechs Mal Marathon gelaufen. Jetzt ist Surfen auf Norderney dran „Das gibt die richtigen Adrenalinschübe!“ Ein anderes Hobby: die Bühne. Zusammen mit Thomas Denker bringt er Gedichte von Christian Morgenstern auf die Bühne mit Witz, Charme, Gesang, Musik, Tanz - wunderbar anzuschauen bei YouTube.

Nicht zu vergessen die 12 Gästebetten auf dem schönen, 800 Jahre alten Hof. Im Ort werden sie manchmal bei Familienfeiern genutzt.

Aber bei Radtouren ist das auch eine prima Adresse! Gibt es Zukunftspläne? Rennig hat nach seiner 10jährigen Bio-Erfahrung das Gefühl, dass alles ganz gut läuft.
Demnächst werden zusätzlich Himbeeren angebaut. Da strahlten meine Augen: sicher wird meine Lieblingsbeere bei Rennig genauso köstlich wie die Erdbeeren!

Renate Richter

Kontaktdaten

Rennigs Hoff
Rennig Söffker

27327 Schwarme

 Webseite des Hofes