Kühe mit Hörnern und Hühner mit Hahn - Hofbesuch bei Johann Lütjen

Sie sehen wirklich stattlicher, eindrucksvoller, einfach schöner aus: Kühe mit Hörnern! Verschieden geschwungen – dazwischen mehr oder weniger Pony und Löckchen, auch bei den Bullen. Zwar verletzen sich die Tiere manchmal gegenseitig, aber die Entfernung der Hörner sei schmerzhaft und seine Tiere sollen so natürlich wie irgend möglich bleiben, erklärte uns Johann Lütjen, als wir mit acht Genoss/innen zu Besuch waren.
Unterwegs trafen wir auch Friedrich Lütjen, Johanns Vater, der doch tatsächlich schon 1955 (!) seinen vom Vater übernommenen Hof auf Bio umstellte nach Demeter. Damals gab es in der Gegend einen einzigen Bauern mit Demeterhof, der Friedrich überzeugte. Jetzt bewirtschaftet Johann mit seinem ältesten Sohn Raimund den Hof, ein jüngerer Sohn ist noch in der landwirtschaftlichen Ausbildung.

Unseren köstlichen losen Sahnequark, Joghurt und Milch bekommen wir von Johanns 70 Milchkühen, die auf großen Flächen auf Moorboden weiden. Alle Kälber behält man, die Bullen werden ca zwei Jahre gemästet, dann in eine kleine Schlachterei in Hambergen gebracht und ihr Fleisch verkauft. Johann baut selber Mais und Getreide für Futter an, zugekauft wird beim Biolandhof Meyer zu Bakum. Die kleinen Kälber müssen in den ersten zwei Wochen isoliert werden. Sie bekommen dann zuerst in der richtigen Menge die Biestmilch ihrer Mutter, sie müssen trinken lernen und geimpft werden. Das alles könnte man in einer großen Herde nicht sicherstellen. Danach sind sie mit den anderen Kälbern zusammen auf der Weide. Die älteste Kuh war 17 Jahre alt, normalerweise werden sie sechs bis sieben Jahre gehalten.

Beeindruckt hat uns der Milchroboter (eine teure Anschaffung für 130 000 Euro). Die Kühe gehen nacheinander in eine kleine Box, der Roboter setzt automatisch die gereinigten Sauger an die Zitzen an und leitet die Milch gleich in Kannen. Die Tiere haben sogen. Transponder um den Hals – damit der Roboter weiss, ob sie überhaupt eine „Melkberechtigung“ haben. Er registriert auch Unregelmäßigkeiten, damit Johann, der alles am Computer programmiert, einschreiten kann. Die Kühe geben 15 bis 20 Liter Milch pro Tag. Sie wird in großen Tanks gekühlt, eine halbe Stunde auf 65 Grad erhitzt, wieder abgekühlt und automatisch in die Tetrapackungen gefüllt. „Früher mit den Flaschen war das Reinigen eine langwierige, mühsame Arbeit in Hitze und Feuchtigkeit und in schlechter Luft von den Desinfektionsmitteln“, erinnert sich Johann. Joghurt und Quark werden ebenfalls direkt in den Milchverarbeitungsräumen hergestellt und verpackt.
Dreimal in der Woche holt das Naturkostkontor die Milchprodukte ab. Damit alles besonders frisch ankommt, wird zusätzlich noch zweimal vom Hof aus hingebracht. Ein Teil der Milch geht zu Söbbeke.

Bei unserer Ankunft begrüßten uns als erstes drei Bunte Bentheimer Schweine mit lautem Gequieke, weil sie dachten, wir brächten ihnen Futter. Als nächstes sahen wir 2.000 Hühner, die ständig Auslauf in sehr weite Wiesen haben. Zu unserem Erstaunen entdeckten wir auch Hähne darunter. 40 sind es, berichtete Johann, sie haben jeweils ihre Hühner in kleinen Gruppen, passen gut auf und dadurch wird erreicht, dass sich die Hühner gut auf der großen Fläche verteilen zum besseren Erhalt des Bodens. Füchse und Bussarde sind die Hauptfeinde, zuletzt tötete ein Fuchs 40 Hühner! Johann hat elf ha Wald und baut auch Möhren, Kartoffeln und Rhabarber an sowie ein paar Heidelbeersträucher und verschiedene Apfelsorten für den eigenen Gebrauch. Einen anderen Beruf kann sich Johann nicht vorstellen: „Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Es wird nie langweilig. Und wir kommen gut zurecht so. Viel größer wollen wir nicht werden“. Wer mal einen Ausflug machen will: ganz in der Nähe sind sehr schöne Moore und im Oktober bis zu 8.000 Kraniche zu beobachten. Der geräumige Hofladen ist verpachtet.

RR

Kontakt

Hof Lütjen
 
27729 Vollersode / Verlüßmoor

 

Webseite des Hofladens

Am Ausgang vom Melk­haus ist eine automatische Ro­tations­bürste installiert, an der sich die Kühe nach dem Melken hin­gebungs­voll den Rücken bürsten lassen.