Hof Meyenburg: Da lachen ja die Hühner...

Unsere Eier kommen meistens von Volker Ehlers Biolandhof in Meyenburg, nördlich von Schwanewede. Meyenburg ist ein Bilderbuch-Dorf mit schönen alten Höfen, vielen Reetdächern und einer 300 Jahre alten Eiche. Eigentlich wollten wir schon Anfang des Jahres anlässlich des Dioxin-Skandals hinfahren, um uns zu informieren, was „unsere“ Hühner fressen. Aber in den Erzeugerbetrieben ist immer viel zu viel zu tun: Die Gewächshäuser und Frühjahrskulturen mussten vorbereitet, Jungpflanzen gezogen, Kartoffeln gepflanzt, letzte Kürbisse geerntet werden. Am 25. März stand die jährliche Grundreinigung des Hühnerstalls an (nur mit Wasser ohne Desinfektionsmittel!). Vorher kommen alle Hühner zum Schlachthof. Und so wurde es Juni, bis wir einen Termin fanden.

Den ca 800 Hühnern geht es sichtlich gut: Alle kommen unseretwegen neugierig in den Stall gerannt. Sie sehen ebenfalls aus wie aus dem Bilderbuch: braunes, kräftiges Gefieder, zufriedenes Gegacker – kein Wunder bei den riesigen Auslaufwiesen, wo sie sich normalerweise ständig aufhalten, auch nachts, Wiesen mit Hecken und Büschen umrandet, ein kleiner Wald – alles wichtig, da Hühner nicht gerne auf freier Fläche sind, sondern sich stets Schutz suchen gegen Bussarde und Habichte. Sie haben noch mehr Feinde: Im letzten Jahr fing Volker zwölf Füchse und drei Marder.

Zum Eierlegen gehen die Hühner im Stall in dunkle Legeboxen. Die Eier rollen auf einem Band in einen Nebenraum, werden dort per Hand sortiert, in Eierpappen gelegt und gestempelt.
Fünf mal am Tag wird im Stall automatisch Futter gegeben, zu 60% aus eigenem Anbau, Gerste, Hafer und Weizen und von August bis März Hokkaido-Kürbisse – davon werden die Dotter schön gelb. Eine Dioxin-Belastung übers Futter schließt Volker aus. Zukauf kommt vom Biolandhof Meyer zu Bakum in Melle, schon seit 15 Jahren. Zwar sei das teuer, aber er habe einen hervorragenden Ruf und man lege großen Wert auf Information und Transparenz.
5.000 Eier werden in der Woche verkauft, aber das rechne sich kaum. Die Ökokiste nehme 2.000/Wo ab, zahle aber sehr wenig. Über die Bauernladentheke gehen jede Woche etwa 800. Volker klagt, dass heutzutage alle nur Größe L wollen. Junge Hühner legen aber nun mal kleinere Eier. Selbst XL-Eier gehen nicht so gut.

Volker, gelernter Landwirt, hat den Hof geerbt. Das reetgedeckte Bauernhaus von 1722 wurde von den Vorfahren aus Leuchtenberg ab- und in Meyenburg wieder aufgebaut. Auf dem Hof arbeitet sein Vater Heinz Johann Ehlers sowie 14 Teilzeitkräfte ganzjährig, viele sind aus der näheren Umgebung, Student/ innen, Rentner/innen, aber auch mal über längere Zeit eine Winzerin, eine Ärztin, eine Journalistin, ein Kapitän, die eine Auszeit aus ihrem Berufsleben brauchen und etwas praktisches machen wollen. Schwieriger ist es, für die Märkte Personal zu finden, das ist besonders anstrengend mit den langen Fahrten, dem Auf- und Abbau bei jedem Wetter. Und dann wird oft nur 1/3 Ware verkauft, wenn's gut ist, die Hälfte.

Zum wirtschaftlichen Überleben sind Kartoffeln und Gemüse ausschlaggebend, vor allem Hokkaido- Kürbisse. „Die kann man gut einlagern, sind in der Küche vielseitig verwendbar und sehr gesund, auch für die Hühner“, schwärmt Volker. Als ein richtiger Tausendsassa hat er eine Kürbis – Pflanzmaschine erfunden und sie zusammen mit seinem Vater gebaut. Kürbisse werden jede Woche gepflanzt.

Mit der Maschine können 500 Kürbisse in der Stunde gepflanzt werden! Auch ein 55 Jahre alter Massey-Fergusson-Trecker ist jeden Tag im Einsatz, gut gepflegt und repariert mit Ersatzteilen übers Internet. Wir bewundern die selbst ausgedachten Keimtruhen: alte Gefriertruhen mit einer 40Watt Glühlampe versehen, schon ist es warm genug für die eigene Jungpflanzenzucht. In den 1.600 qm Gewächshäusern wachsen Tomaten, Kürbis, Gurken, Zucchini, Broccoli, Paprika, Ruccola, Auberginen. Der eigene Kompost reicht für die komplette Düngung. Volker verkauft nach Bremen, also auch an uns, über das Naturkostkontor sowie an die Ökokiste und die Backstube Lindenstraße in Bremen Nord, Dort backt man auf seine Anregung hin inzwischen erfolgreich Kürbisbrot mit Hokkaidokürbis. Eine Ülzener Bio-Großküche nimmt überschüssige Ware ab. Dreimal die Woche ist man auf dem Vegesacker Markt, freitags auf dem Neustädter Biomakt Delmestraße. 13 Läden werden direkt beliefert. Die Haltung von zehn Mutterkühen ist eher ein Hobby für den Eigenbedarf und den Hofladen. Die Kinder (jetzt 15 und 13 Jahre alt) haben ihnen so schöne Namen gegeben wie Paparotti, Ulrike oder Gesine und lieben sie – also werden sie auf dem Hof alt werden. Wie schätzt Volker die weitere Perspektive ein? Seit 2001 sind die Produktionskosten dramatisch gestiegen. Durch die Zunahme an Bio- Supermärkten mit der Möglichkeit, Preise zu drücken, haben kleinere Biobetriebe rückläufige Umsätze. Extreme Wetterlagen (Trockenheit und Nässe) führten 2010 dazu, dass 40 Tonnen Verkaufsgemüse fehlten. 6.000 Kürbisse mussten wegen fehlender Qualität weggeschmissen werden. Auch 2011 gab es wieder eine lange Dürreperiode, von der sich trotz des Regens die Pflanzen im Wurzelbereich noch nicht erholt haben. In der Umgebung sind 2 große Wasserwerke, weshalb keine neuen Brunnen für die Landwirte zugelassen werden. Zwar versucht man das durch effizientere Arbeitsabläufe aufzufangen, aber Volker schätzt die Zukunft für solch kleine Betriebe wie seinen eher problematisch ein. Auch die Biolandverbände raten zu größeren Einheiten und Fusionen. „Dann ist man aber nur noch Manager am Schreibtisch und muss hohe Kredite aufnehmen für aufwändige Maschinen.“ Dass ihm die Arbeit auf dem Hof mit ihren abwechslungsreichen Anforderungen Spass macht, merkt man Volker an. Immer wieder kann er neue Ideen erfolgreich umsetzen. Das ist doch was! Oder: Wer kann das schon?

RR

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Volker Ehlers

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